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Apollonisches Problem
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Das Apollonische Problem (Problem des Apollonios) ist eines der berĂŒhmtesten Probleme der antiken Geometrie. Es geht darum, mit Zirkel und Lineal die Kreise zu konstruieren, die drei beliebige vorgegebene Kreise berĂŒhren. Apollonios von Perge (* ca. 265 v. Chr.; † ca. 190 v. Chr.) widmet diesem Problem ein nicht erhaltenes Buch (Über BerĂŒhrungen).

Da man bei den Ausgangskreisen auch von einem unendlich kleinen Radius und einem unendlich großen Radius ausgehen kann, kann nicht nur von drei Kreisen, sondern auch von Punkten und Geraden (Tangenten) ausgegangen werden. Insgesamt gibt es zehn Kombinationsmöglichkeiten fĂŒr die gegebenen StĂŒcke, die weiter unten aufgefĂŒhrt sind.

Da die vollstĂ€ndige Lösung der Probleme alle KonstruktionsfĂ€lle mit BerĂŒhrungen (Tangenten) von Kreisen, Punkten und Geraden löst, sind natĂŒrlich auch die BerĂŒhrkreise am Dreieck enthalten (Ankreis, Inkreis, Umkreis).

Contents

‱ Geschichte
‱ Drei Punkte
‱ Drei Geraden
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Geschichte

Ein reiches Repertoire von geometrischen und algebraischen Methoden wurde entwickelt, um das apollonische Problem zu lösen, das als „das berĂŒhmteste aller geometrischen Probleme“ bezeichnet wurde. Die ursprĂŒngliche Vorgehensweise von Apollonios ist verlorengegangen, aber von François ViĂšte und anderen wurden Rekonstruktionen entwickelt, die auf Hinweisen in der Beschreibung durch Pappos basieren.cite-ref-bruen-1983-1-0[1] Die erste neue Lösungsmethode wurde 1596 von Adriaan van Roomen veröffentlicht, der die Mittelpunkte der Lösungskreise als die Schnittpunkte zweier Hyperbeln fand. Van Roomens Methode wurde 1687 durch Isaac Newton in seinen Principia und durch John Casey im Jahre 1881 verfeinert.

Trotz der erfolgreichen Lösung des Apollonius-Problems hat van Roomens Methode einen Nachteil. Eine geschĂ€tzte Eigenschaft in der klassischen euklidischen Geometrie ist die Möglichkeit, Probleme ausschließlich mit Zirkel und Lineal zu lösen. Viele Konstruktionen sind bei BeschrĂ€nkung auf diese Hilfsmittel unmöglich, beispielsweise die Winkeldreiteilung. Viele dieser „unmöglichen“ Probleme lassen sich jedoch durch Schnitte von Kurven wie Hyperbeln, Ellipsen und Parabeln (Kegelschnitte) lösen. So kann die WĂŒrfelverdoppelung (das Problem, einen WĂŒrfel mit dem doppelten Volumen eines gegebenen WĂŒrfels zu konstruieren) nicht mit Zirkel und Lineal gelöst werden, aber Menaichmus zeigte, dass die Lösung durch den Schnitt zweier Parabeln gefunden werden kann. Daher ließ sich aufgrund der Lösung durch van Roomen – die auf dem Schnitt zweier Hyperbeln beruhte – nicht entscheiden, ob eine Konstruktion mit Zirkel und Lineal möglich ist.

Van Roomens Freund François ViĂšte, der ursprĂŒnglich van Roomen dazu gebracht hatte, sich mit dem apollonischen Problem zu befassen, entwickelte eine Methode, die nur Zirkel und Lineal verwendete. Vor Erscheinen der Lösung von ViĂšte zweifelte Regiomontanus an der Möglichkeit einer Konstruktion mit Zirkel und Lineal. ViĂšte löste zuerst einige einfache SpezialfĂ€lle des Apollonios-Problems, etwa die Bestimmung eines Kreises durch drei gegebene Punkte, das nur eine Lösung hat, wenn die Punkte verschieden sind. Darauf aufbauend löste er kompliziertere SpezialfĂ€lle, in einigen FĂ€llen durch Verkleinern oder VergrĂ¶ĂŸern der gegebenen Kreise.cite-ref-d-rrie-1965-2-0[2] GemĂ€ĂŸ dem Bericht von Pappos von Alexandria im 4. Jahrhundert folgte das originale Werk von Apollonios zu diesem Problem — mit dem Titel áŒ˜Ï€Î±Ï†Î±ÎŻ (EpaphaĂ­, "BerĂŒhrungen"; Lateinisch: De tactionibus, De contactibus) — einem Ă€hnlichen fortschreitenden Zugang. Daher wird ViĂštes Lösung als plausible Rekonstruktion der Lösung von Apollonios betrachtet, auch wenn weitere Rekonstruktionen unabhĂ€ngig von drei verschiedenen Autoren publiziert wurden.

Verschiedene andere geometrische Lösungen des Apollonios-Problems wurden im 19. Jahrhundert entwickelt. Die bemerkenswertesten Lösungen sind die von Jean-Victor Poncelet (1811) und von Joseph Diaz Gergonne (1814). WĂ€hrend der Beweis von Poncelet auf Ähnlichkeitszentren von Kreisen und der Potenz eines Punktes beruht, nutzt die Methode von Gergonne die konjugierte Relation zwischen Geraden und ihren Polen in einem Kreis aus. Methoden, welche die Kreisspiegelung verwenden, wurden durch Julius Peter Christian Petersen im Jahre 1879 eingefĂŒhrt; ein Beispiel ist die Ring-Lösungsmethode von H. S. M. Coxeter.cite-ref-coxeter-1968-3-0[3] Einen weiteren Zugang liefert die Lie-Geometrie von Sophus Lie.

Algebraische Lösungen des apollonischen Problems wurden im 17. Jahrhundert von RenĂ© Descartes und Prinzessin Elisabeth von Böhmen gefunden, die allerdings ziemlich kompliziert sind. Praktisch verwendbare algebraische Methoden wurden im spĂ€ten 18. und im 19. Jahrhundert durch verschiedene Mathematiker entwickelt, darunter Leonhard Euler, Nikolaus Fuss, Carl Friedrich Gauß, Lazare Carnot und Augustin Louis Cauchy.

Setzt man die Konstruktion zu kleineren sich berĂŒhrenden Kreisen fort, wird man zu Apollonischen Kreispackungen gefĂŒhrt, die in den 2000er Jahren durch Verbindungen zu homogener Dynamik und Zahlentheorie Forschungsinteresse auf sich zogen (u. a. Jeffrey Lagarias, Allan Wilks, Peter Sarnak, Alex Kontorovich, Hee Oh). Sie sind außerdem Beispiele fĂŒr Fraktale.

Lösungsmethoden

Schnitt von Hyperbeln

Die Lösung von Adriaan van Roomen (1596) basiert auf dem Schnitt zweier Hyperbeln. Die gegebenen Kreise seien mit C1, C2 und C3 bezeichnet. Van Roomen löste das allgemeine Problem durch ZurĂŒckfĂŒhrung auf ein einfacheres Problem, nĂ€mlich die Bestimmung von Kreisen, die zwei gegebene Kreise berĂŒhren, etwa C1 und C2. Er stellte fest, dass der Mittelpunkt eines Kreises, der die beiden gegebenen Kreise berĂŒhrt, auf einer Hyperbel liegen muss, deren Brennpunkte die Mittelpunkte der gegebenen Kreise sind. Um das zu verstehen, sollen die Radien des Lösungskreises und der zwei gegebenen Kreise mit rs, r1 bzw. r2 bezeichnet werden (Abbildung 3). Der Abstand d1 zwischen den Mittelpunkten des Lösungskreises und von C1 ist entweder rs + r1 oder rs − r1 – je nachdem, ob diese Kreise ausschließend oder einschließend berĂŒhrt werden. Entsprechend ist der Abstand d2 zwischen den Mittelpunkten des Lösungskreises und von C2 entweder gleich rs + r2 oder rs − r2 – wieder abhĂ€ngig von der Art der BerĂŒhrung. Daher ist die Differenz d1 − d2 dieser AbstĂ€nde immer eine Konstante, die unabhĂ€ngig von rs ist. Diese Eigenschaft einer festen Differenz der AbstĂ€nde von zwei Brennpunkten charakterisiert Hyperbeln; folglich muss der Mittelpunkt des Lösungskreises auf einer Hyperbel liegen. Eine zweite Hyperbel kann gezeichnet werden fĂŒr die beiden gegebenen Kreise C2 und C3, wobei die Art der BerĂŒhrung zwischen dem Lösungskreis und C2 konsistent sein sollte zur ersten Hyperbel. Der Schnitt der beiden Hyperbeln (falls nicht leer) liefert den Mittelpunkt des Lösungskreises mit den vorgegebenen BerĂŒhrungseigenschaften. Die gesamte Menge der Lösungen des apollonischen Problems findet man, indem man alle möglichen Kombinationen von ein- oder ausschließender BerĂŒhrung der drei gegebenen Kreise betrachtet.

Isaac Newton (1687) verbesserte van Roomens Lösung dadurch, dass die Mittelpunkte der Lösungskreise durch Schnitt einer Geraden und eines Kreises ermittelt wurden. Newton formulierte das Apollonios-Problem als ein Problem der Trilateration: die Bestimmung eines Punktes Z aus drei gegebenen Punkten A, B und C, sodass die Differenzen der AbstÀnde zwischen Z und den drei gegebenen Punkten bestimmte Werte haben. Diese vier Punkte entsprechen dem Mittelpunkt des Lösungskreises (Z) und den Mittelpunkten der drei gegebenen Kreise (A, B und C).

Anstelle der zwei Hyperbeln konstruiert Newton ihre Leitlinien. FĂŒr jede Hyperbel ist das VerhĂ€ltnis der AbstĂ€nde eines Punktes Z zu einem Brennpunkt A und der Leitlinie eine Konstante, die ExzentrizitĂ€t genannt wird. Die zwei Leitlinien schneiden sich in einem Punkt T, und aus den beiden bekannten AbstandsverhĂ€ltnissen konstruiert Newton eine Gerade durch T, auf der Z liegen muss. Das AbstandsverhĂ€ltnis TZ/TA ist jedoch ebenfalls bekannt; daher liegt Z auch auf einem bekannten Kreis, da nach Apollonios ein Kreis definiert werden kann als die Menge aller Punkte, deren AbstĂ€nde zu zwei gegebenen festen Punkten ein bestimmtes VerhĂ€ltnis haben (Kreis des Apollonios). (Diese Definition ist ĂŒbrigens die Grundlage der bipolaren Koordinaten.) Das Problem des Apollonios kann also auf den Schnitt von Gerade und Kreis zurĂŒckgefĂŒhrt werden.

ViĂštes Rekonstruktion

Wie unten beschrieben, hat das apollonische Problem zehn SpezialfĂ€lle, die sich in der Art der drei gegebenen Objekte, nĂ€mlich Kreise (K), Geraden (G) oder Punkte (P) unterscheiden. Gewöhnlich werden diese zehn FĂ€lle mit AbkĂŒrzungen wie KKP bezeichnet. ViĂšte löste alle diese FĂ€lle durch Konstruktionen mit Zirkel und Lineal; dabei verwendete er die Lösungen der einfacheren FĂ€lle zur Behandlung der komplizierteren FĂ€lle.cite-ref-d-rrie-1965-2-1[2]

ViĂšte begann mit der Lösung des Falles PPP (drei Punkte) und folgte dabei der Methode von Euklid, wie sie in den Elementen beschrieben ist. Darauf aufbauend, leitete er ein Lemma ab, das dem Satz ĂŒber die Potenz eines Punktes entspricht, und löste mit dessen Hilfe den Fall GPP (eine Gerade, zwei Punkte). Ebenfalls nach Euklid löste ViĂšte den Fall GGG (drei Geraden) durch Verwendung von Winkelhalbierenden. Anschließend leitete er ein Lemma ab, um das Lot zu einer Winkelhalbierenden durch einen gegebenen Punkt zu konstruieren, womit der Fall GGP (zwei Geraden, ein Punkt) erledigt war. Damit waren die ersten vier FĂ€lle des Apollonios-Problems gelöst, bei denen keine Kreise gegeben waren.

Um die verbleibenden Probleme zu lösen, nutzte ViĂšte die Tatsache aus, dass die gegebenen Kreise und ein Lösungskreis ihre GrĂ¶ĂŸe Ă€ndern können, ohne dass sich an der BerĂŒhrung etwas Ă€ndert (Abbildung 5). Wenn der Radius des Lösungskreises um einen Betrag Δ Δ r {\displaystyle \Delta r} verĂ€ndert wird, muss sich der Radius der gegebenen Kreise bei einschließender BerĂŒhrung ebenfalls um Δ Δ r {\displaystyle \Delta r} Ă€ndern, bei ausschließender BerĂŒhrung dagegen um − − Δ Δ r {\displaystyle -\Delta r} . Wenn also der Lösungskreis anschwillt, mĂŒssen die gegebenen Kreise bei einschließender BerĂŒhrung genauso anschwellen und bei ausschließender BerĂŒhrung sich entgegengesetzt verhalten, wenn die BerĂŒhrungseigenschaft erhalten bleiben soll.

ViĂšte verwendete diesen Zugang, um einen der gegebenen Kreise zu einem Punkt schrumpfen zu lassen; auf diese Weise ließen sich die komplizierteren FĂ€lle auf die einfacheren, schon gelösten FĂ€lle zurĂŒckfĂŒhren. Er löste zuerst den Fall KGG (ein Kreis, zwei Geraden) durch Verkleinern des Kreises zu einem Punkt, entsprechend dem Fall GGP. Danach löste er den Fall KGP (ein Kreis, eine Gerade, ein Punkt) unter Verwendung von drei Lemmata. Erneut durch Schrumpfen eines Kreises zu einem Punkt, transformierte ViĂšte den Fall KKG in den Fall KGP. Danach löste er die FĂ€lle KPP (ein Kreis, zwei Punkte) und KKP (zwei Kreise, ein Punkt), den zweiten davon mit zwei Lemmata. Zuletzt löste ViĂšte den allgemeinen Fall KKK (drei Kreise) durch Verkleinerung eines Kreises zu einem Punkt, wodurch dieses Teilproblem auf den Fall KKP zurĂŒckgefĂŒhrt wurde.

Algebraische Lösung

Bezeichnet man die Mittelpunkte der drei gegebenen Kreise mit

M 1 = ( x 1 , y 1 ) {\displaystyle M_{1}=(x_{1},y_{1})} , M 2 = ( x 2 , y 2 ) {\displaystyle M_{2}=(x_{2},y_{2})} und M 3 = ( x 3 , y 3 ) {\displaystyle M_{3}=(x_{3},y_{3})} ,

deren Radien mit r 1 {\displaystyle r_{1}} , r 2 {\displaystyle r_{2}} und r 3 {\displaystyle r_{3}} sowie Mittelpunkt und Radius des gesuchten Kreises mit M s = ( x s , y s ) {\displaystyle M_{s}=(x_{s},y_{s})} und r s {\displaystyle r_{s}} , so fĂŒhren die Bedingungen fĂŒr die AbstĂ€nde des gesuchten Kreismittelpunkts von den gegebenen Mittelpunkten auf ein Gleichungssystem des folgenden Typs fĂŒr die drei Unbekannten x s {\displaystyle x_{s}} , y s {\displaystyle y_{s}} und r s {\displaystyle r_{s}} :

( x s − − x 1 ) 2 + ( y s − − y 1 ) 2 = ( r s ± ± r 1 ) 2 {\displaystyle \left(x_{s}-x_{1}\right)^{2}+\left(y_{s}-y_{1}\right)^{2}=\left(r_{s}\pm r_{1}\right)^{2}}

( x s − − x 2 ) 2 + ( y s − − y 2 ) 2 = ( r s ± ± r 2 ) 2 {\displaystyle \left(x_{s}-x_{2}\right)^{2}+\left(y_{s}-y_{2}\right)^{2}=\left(r_{s}\pm r_{2}\right)^{2}}

( x s − − x 3 ) 2 + ( y s − − y 3 ) 2 = ( r s ± ± r 3 ) 2 {\displaystyle \left(x_{s}-x_{3}\right)^{2}+\left(y_{s}-y_{3}\right)^{2}=\left(r_{s}\pm r_{3}\right)^{2}}

Bei ausschließender BerĂŒhrung gilt das Pluszeichen von ± ± {\displaystyle \pm } , bei einschließender BerĂŒhrung das Minuszeichen. Subtrahiert man beispielsweise die zweite Gleichung von der ersten und die dritte von der zweiten, so kann man x s {\displaystyle x_{s}} und y s {\displaystyle y_{s}} durch r s {\displaystyle r_{s}} ausdrĂŒcken, indem man ein lineares Gleichungssystem mit zwei Unbekannten löst.

x s = M + N r s {\displaystyle x_{s}=M+Nr_{s}}

y s = P + Q r s {\displaystyle y_{s}=P+Qr_{s}}

Die Koeffizienten M {\displaystyle M} , N {\displaystyle N} , P {\displaystyle P} und Q {\displaystyle Q} hĂ€ngen von den gegebenen Kreisen und der Art der BerĂŒhrung (ein- oder ausschließend) ab.

Durch Einsetzen dieser Ergebnisse in eine der gegebenen Gleichungen erhĂ€lt man eine quadratische Gleichung, mit der sich r s {\displaystyle r_{s}} bestimmen lĂ€sst; daraus lassen sich anschließend die Koordinaten x s {\displaystyle x_{s}} und y s {\displaystyle y_{s}} errechnen.

Das hier beschriebene Verfahren bezieht sich zunĂ€chst auf den Fall dreier Kreise (KKK), lĂ€sst sich aber problemlos auf Punkte ĂŒbertragen, wenn man diese als Kreise mit Radius 0 auffasst. Bei Geraden kann man aus der Bedingung, dass der Mittelpunkt ( x s , y s ) {\displaystyle (x_{s},y_{s})} eines Lösungskreises den Abstand r s {\displaystyle r_{s}} haben muss, lineare Gleichungen fĂŒr x s {\displaystyle x_{s}} , y s {\displaystyle y_{s}} und r s {\displaystyle r_{s}} aufstellen; die weitere Lösung erfolgt wie bei Kreisen.

Inversive Methoden

Einen natĂŒrlichen Rahmen fĂŒr das Problem des Apollonios bildet die Inversive Geometrie.cite-ref-bruen-1983-1-1[1] Die grundlegende Strategie der inversiven Methoden besteht darin, ein gegebenes Apollonios-Problem in ein anderes Apollonios-Problem zu verwandeln, das einfacher zu lösen ist; die Lösungen des originalen Problems erhĂ€lt man aus den Lösungen des transformierten Problems dadurch, dass man die Transformation rĂŒckgĂ€ngig macht. In Frage kommen Transformationen, die ein Apollonios-Problem in ein anderes verwandeln; sie mĂŒssen daher die gegebenen Punkte, Kreise und Geraden in andere Punkte, Kreise oder Geraden verwandeln, aber in keine anderen Formen. Die Kreisspiegelung hat diese Eigenschaft und erlaubt es, Mittelpunkt und Radius des Inversionskreises beliebig zu wĂ€hlen. ZunĂ€chst könnte man meinen, dass auch Kongruenzabbildungen in Betracht kommen; diese wĂŒrden aber das Problem nicht vereinfachen, sondern nur auf Verschiebungen, Drehungen und Spiegelungen des originalen Problems hinauslaufen.

Die Inversion an einem Kreis (Kreisspiegelung) mit Mittelpunkt O und Radius R besteht aus der folgenden Operation (Abbildung 6): jeder Punkt P wird abgebildet auf einen neuen Punkt Pâ€Č, so dass O, P und Pâ€Č kollinear sind und das Produkt der AbstĂ€nde von P und Pâ€Č zum Mittelpunkt O gleich dem Quadrat des Radius R ist:

O P ÂŻ ÂŻ ⋅ ⋅ O P â€Č â€Č ÂŻ ÂŻ = R 2 . {\displaystyle {\overline {\mathbf {OP} }}\cdot {\overline {\mathbf {OP^{\prime }} }}=R^{2}.}

Liegt P außerhalb des Kreises, so liegt Pâ€Č innerhalb, und umgekehrt. Stimmt P mit O ĂŒberein, so sagt man, dass die Inversion P ins Unendliche abbildet. (In der Komplexen Analysis wird "unendlich" auf der Riemannschen Zahlenkugel definiert.) Die Inversion hat die nĂŒtzliche Eigenschaft, dass Geraden und Kreise immer in Geraden oder Kreise transformiert werden, und Punkte immer in Punkte. Kreise gehen bei der Inversion im Allgemeinen in Kreise ĂŒber; wenn allerdings ein Kreis durch den Mittelpunkt des Inversionskreises geht, wird er in eine Gerade transformiert, und umgekehrt. Bedeutsam ist die Tatsache, dass ein Kreis, der den Inversionskreis rechtwinklig schneidet, durch die Inversion nicht verĂ€ndert wird, sondern auf sich selbst abgebildet wird.

Die Kreisspiegelungen entsprechen einer Teilmenge der Möbiustransformationen auf der Riemannkugel. Das ebene Apollonios-Problem kann durch stereografische Projektion auf die Kugel ĂŒbertragen werden; daher gelten die Lösungen des ebenen Problems auch fĂŒr das entsprechende Problem auf der Kugel. Auch andere inversive Lösungen des ebenen Problems sind möglich.

Lösungspaare bezĂŒglich Inversion

Lösungen des Apollonios-Problems treten gewöhnlich paarweise auf; zu jedem Lösungskreis gibt es einen konjugierten Lösungskreis (Abbildung 7).cite-ref-d-rrie-1965-2-2[2] Dabei schließt ein Lösungskreis die gegebenen Kreise aus, die der andere Lösungskreis einschließt, und umgekehrt. Im abgebildeten Beispiel schließt ein Lösungskreis (pink, links oben) zwei gegebene Kreise (schwarz) ein, den dritten gegebenen Kreis jedoch aus; der konjugierte Lösungskreis hingegen (ebenfalls pink, rechts unten) schließt den dritten gegebenen Kreis ein, die beiden anderen aber aus. Die beiden konjugierten Lösungskreise sind symmetrisch zueinander bezĂŒglich einer Kreisspiegelung, wie im Folgenden erlĂ€utert wird.

Im Allgemeinen gibt es zu drei beliebigen Kreisen einen eindeutig bestimmten Kreis (engl. radical circle), der alle drei gegebenen Kreise rechtwinklig schneidet; der Mittelpunkt dieses Kreises wird englisch als radical center bezeichnet. Zur Veranschaulichung, der orange gezeichnete Kreis in Abbildung 7 schneidet die gegebenen, schwarz dargestellten Kreise im rechten Winkel. Die Kreisspiegelung am radical circle lĂ€sst die gegebenen Kreise unverĂ€ndert, bildet aber die konjugierten Lösungskreise (pink) aufeinander ab. Dieselbe Kreisspiegelung bildet die entsprechenden BerĂŒhrpunkte der zwei Lösungskreise aufeinander ab; zur Verdeutlichung, die beiden blau gekennzeichneten Punkte auf jeder der grĂŒnen Linien werden ineinander transformiert. Daher sind die Verbindungsgeraden solcher konjugierter BerĂŒhrpunkte invariant bezĂŒglich der Inversion; folglich mĂŒssen sie durch das Zentrum der Inversion gehen, also durch das radical center (grĂŒne Linien, die sich im orangen Punkt der Skizze schneiden).

Inversion in einen Kreisring

Falls zwei der drei gegebenen Kreise sich nicht schneiden, kann ein Inversionszentrum derart gefunden werden, dass diese zwei Kreise in konzentrische Kreise ĂŒbergehen.cite-ref-coxeter-1968-3-1[3]cite-ref-bruen-1983-1-2[1] Bei Anwendung dieser Inversion werden die Lösungskreise auf Kreise innerhalb des Kreisrings zwischen den beiden konzentrischen Kreisen abgebildet. Daher gehören sie zu einer von zwei Familien mit je einem Parameter. In der ersten Familie (Abbildung 8) schließen die Lösungen nicht den inneren der konzentrischen Kreise ein, sondern liegen wie die Kugeln eines Kugellagers im Kreisring. In der zweiten Familie (Abbildung 9) wird der innere der konzentrischen Kreise eingeschlossen. Im Allgemeinen existieren vier Lösungen pro Familie, insgesamt also acht Lösungen, was im Einklang mit der algebraischen Lösung steht.

Sind zwei der gegebenen Kreise konzentrisch, so lĂ€sst sich das Apollonische Problem leicht mit einer von Gauß vorgeschlagenen Methode lösen. Die Radien der drei gegebenen Kreise sind bekannt, ebenso der Abstand dnon zwischen dem Mittelpunkt der konzentrischen Kreise und dem Mittelpunkt des nicht konzentrischen Kreises (Abbildung 8). Ein Lösungskreis kann bestimmt werden aus seinem Radius rs, dem Winkel Ξ Ξ {\displaystyle \theta } sowie den AbstĂ€nden ds und dT zwischen seinem Mittelpunkt und dem gemeinsamen Mittelpunkt der konzentrischen Kreise beziehungsweise dem Mittelpunkt des nicht konzentrischen Kreises. Der Radius und der Abstand ds sind bekannt (Abbildung 8), und fĂŒr den Abstand dT gilt dT = rs ± rnon – abhĂ€ngig davon, ob der nicht konzentrische Kreis einschließend oder ausschließend berĂŒhrt wird. Aus dem Kosinussatz folgt nun

cos ⁥ ⁥ Ξ Ξ = d s 2 + d n o n 2 − − d T 2 2 d s d n o n ≡ ≡ C ± ± . {\displaystyle \cos \theta ={\frac {d_{\mathrm {s} }^{2}+d_{\mathrm {non} }^{2}-d_{\mathrm {T} }^{2}}{2d_{\mathrm {s} }d_{\mathrm {non} }}}\equiv C_{\pm }.}

Hier wurde als AbkĂŒrzung eine neue Konstante C definiert, deren Index angibt, ob der Lösungskreis ausschließend oder einschließend berĂŒhren soll. Eine einfache trigonometrische Umformung fĂŒhrt zu den vier Lösungen

Ξ Ξ = ± ± 2 a t a n ( 1 − − C 1 + C ) . {\displaystyle \theta =\pm 2\ \mathrm {atan} \left({\sqrt {\frac {1-C}{1+C}}}\right).}

Diese Formel drĂŒckt vier Lösungen aus, weil je zwei Möglichkeiten fĂŒr ± ± {\displaystyle \pm } und C bestehen. Die verbleibenden vier Lösungen erhĂ€lt man mit derselben Methode, indem man die Substitutionen fĂŒr rs und ds aus Abbildung 9 verwendet. Insgesamt findet man mit dieser Methode alle acht Lösungen des allgemeinen Apollonios-Problems.

Zwei beliebige disjunkte Kreise können folgendermaßen auf konzentrische Kreise abgebildet werden. Zuerst konstruiert man die Potenzgerade der beiden gegebenen Kreise; wĂ€hlt man zwei beliebige Punkte P und Q auf dieser Geraden, so kann man zwei Kreise mit den Mittelpunkten P beziehungsweise Q konstruieren, welche die zwei gegebenen Kreise rechtwinklig schneiden. Die beiden zuletzt konstruierten Kreise schneiden sich in zwei Punkten. Inversion an einem der beiden Schnittpunkte (F) bildet die konstruierten Kreise ab auf Geraden, die durch F gehen; die zwei gegebenen Kreise gehen dabei in konzentrische Kreise ĂŒber, der dritte gegebene Kreis (im Allgemeinen) in einen neuen Kreis. Dies folgt daraus, dass das System der Kreise Ă€quivalent ist zu einer Menge Apollonischer Kreise, die ein bipolares Koordinatensystem bilden.

GrĂ¶ĂŸenĂ€nderung und Inversion

Die NĂŒtzlichkeit der Kreisspiegelung kann durch GrĂ¶ĂŸenĂ€nderung deutlich gesteigert werden. Wie schon bei ViĂštes Rekonstruktion erlĂ€utert, lassen sich die Radien der gegebenen Kreise und des Lösungskreises zugleich Ă€ndern, sodass die BerĂŒhrungseigenschaft erhalten bleibt. Auf diese Weise kann das ursprĂŒngliche Apollonios-Problem in ein anderes Problem verwandelt werden, das unter UmstĂ€nden leichter zu lösen ist. Beispielsweise kann die GrĂ¶ĂŸe von vier Kreisen so verĂ€ndert werden, dass einer dieser Kreise zu einem Punkt schrumpft; auch ist es oft möglich, zwei gegebene Kreise so zu verĂ€ndern, dass sie einander berĂŒhren. Drittens kann die GrĂ¶ĂŸe von Kreisen, die sich schneiden, so geĂ€ndert werden, dass sie sich nicht schneiden; danach ist die Inversion in einen Kreisring anwendbar. In all diesen FĂ€llen erhĂ€lt man die Lösung des ursprĂŒnglichen Apollonios-Problems dadurch, dass man die Lösung des transformierten Problems nimmt und die GrĂ¶ĂŸenĂ€nderung und die Inversion rĂŒckgĂ€ngig macht.

Schrumpfen eines gegebenen Kreises zu einem Punkt

Bei der ersten Vorgehensweise werden die gegebenen Kreise vergrĂ¶ĂŸert oder verkleinert (entsprechend den Vorgaben zur BerĂŒhrung), bis einer dieser Kreise zu einem Punkt P schrumpft. In diesem Fall wird das allgemeine Apollonios-Problem (KKK) zum Problem KKP (siehe Fallunterscheidung), also zu der Aufgabe, einen Kreis zu finden, der die beiden verbleibenden gegebenen Kreise berĂŒhrt und durch den Punkt P geht. Inversion an einem Kreis mit Mittelpunkt P transformiert die zwei gegebenen Kreise in neue Kreise und den Lösungskreis in eine Gerade. Daher entspricht die transformierte Lösung einer Geraden, welche die beiden transformierten gegebenen Kreise berĂŒhrt. Es gibt vier solche Lösungsgeraden, die sich mithilfe des Ă€ußeren und des inneren Ähnlichkeitszentrums der beiden Kreise konstruieren lassen. Erneute Inversion bezĂŒglich P und RĂŒckgĂ€ngigmachen der GrĂ¶ĂŸenĂ€nderungen transformieren solch eine Lösungsgerade in den gewĂŒnschten Lösungskreis des originalen Apollonios-Problems. Man kann alle acht allgemeinen Lösungen durch VergrĂ¶ĂŸern und Verkleinern finden, entsprechend den Vorgaben zu ein- oder ausschließender BerĂŒhrung; jedoch können verschiedene gegebene Kreise zu einem Punkt schrumpfen fĂŒr verschiedene Lösungen.

GrĂ¶ĂŸenĂ€nderung zweier gegebener Kreise zur BerĂŒhrung

Bei der zweiten Vorgehensweise werden die Radien der gegebenen Kreise um einen Betrag Δ Δ r {\displaystyle \Delta r} geĂ€ndert, sodass sich zwei der Kreise berĂŒhren. Der gemeinsame BerĂŒhrpunkt dient als Zentrum der Spiegelung an einem Kreis, der jeden der zwei sich berĂŒhrenden Kreise in zwei Punkten schneidet. Durch die Kreisspiegelung werden die einander berĂŒhrenden Kreise auf zwei parallele Geraden abgebildet: Da nĂ€mlich ihr einziger gemeinsamer Punkt ins Unendliche geht, können sich die Bildgeraden nicht schneiden. Dieselbe Inversion bildet den dritten Kreis auf einen anderen Kreis ab. Die Lösung des invertierten Problems muss also entweder (1) eine Gerade sein, die zu den gegebenen parallelen Geraden parallel ist und den aus dem dritten gegebenen Kreis entstandenen Kreis berĂŒhrt, oder (2) ein Kreis mit konstantem Radius, der die gegebenen parallelen Geraden und den transformierten gegebenen Kreis berĂŒhrt. Erneute Inversion und Änderung aller Kreisradien um Δ Δ r {\displaystyle \Delta r} liefert einen Lösungskreis, der die drei ursprĂŒnglich gegebenen Kreise berĂŒhrt.

Gergonnes Lösung

Gergonnes Methode beruht darauf, dass Paare von Lösungskreisen betrachtet werden.cite-ref-d-rrie-1965-2-3[2] Es seien zwei Lösungskreise mit CA und CB bezeichnet (pink dargestellte Kreise in Abbildung 10); die BerĂŒhrpunkte mit den drei gegebenen Kreisen seien A1, A2, A3 beziehungsweise B1, B2, B3. Gergonnes Lösungsmethode verfolgt das Ziel, diese sechs Punkte zu lokalisieren und so die zwei Lösungskreise zu finden.

Gergonne erkannte, dass, wenn eine Gerade L1 konstruiert werden kann, sodass A1 und B1 darauf liegen mĂŒssen, diese zwei Punkte durch Schnitt von L1 mit dem gegebenen Kreis C1 bestimmt werden können (Abbildung 10). Die anderen vier BerĂŒhrpunkte lassen sich entsprechend ermitteln, indem man Geraden L2 und L3 findet, die durch A2 und B2 beziehungsweise durch A3 und B3 gehen. Um eine solche Gerade wie L1 zu konstruieren, mĂŒssen zwei Punkte identifiziert werden, die auf dieser Geraden liegen; aber diese Punkte mĂŒssen keine BerĂŒhrpunkte sein. Gergonne gelang es, je zwei andere Punkte fĂŒr diese Geraden zu finden. Von einem dieser beiden Punkte war schon die Rede, nĂ€mlich vom radical center G, das auf allen drei Geraden liegt (Abbildung 11).

Um je einen zweiten Punkt auf den Geraden L1, L2 und L3 zu lokalisieren, verwendete Gergonne einen Zusammenhang zwischen diesen Geraden und der Potenzgerade R der Lösungskreise CA und CB. Um diesen Zusammenhang zu verstehen, sollen die beiden Tangenten an den Kreis C1 in den BerĂŒhrpunkten mit den Lösungskreisen (A1 und B1) betrachtet werden; der Schnittpunkt dieser Tangenten ist der Pol von L1 in Bezug auf den Kreis C1. Da die AbstĂ€nde dieses Pols zu den BerĂŒhrpunkten A1 und B1 gleich sind, muss dieser Pol definitionsgemĂ€ĂŸ auch auf der Potenzgerade R der Lösungskreise liegen (Abbildung 10). Die Beziehung zwischen Polpunkten und ihren Polgeraden ist wechselseitig; wenn der Pol von L1 bezĂŒglich C1 auf R liegt, muss umgekehrt der Pol von R bezĂŒglich C1 auf L1 liegen. Daher können wir durch Konstruktion von R seinen Pol P1 bezĂŒglich C1 finden; auf diese Weise erhĂ€lt man den benötigten zweiten Bestimmungspunkt von L1 (Abbildung 11).

Gergonne fand die Potenzgerade R der unbekannten Lösungskreise folgendermaßen. Ein beliebiges Paar von Kreisen besitzt zwei Ähnlichkeitszentren; diese zwei Punkte ergeben sich als die Schnittpunkte der gemeinsamen Tangenten beider Kreise. Daher gibt es zu den drei gegebenen Kreisen sechs Ähnlichkeitszentren, je zwei fĂŒr jedes Paar von Kreisen. Bemerkenswerterweise liegen diese sechs Punkte auf vier Geraden, und zwar jeweils drei Punkte auf jeder der Geraden; außerdem entspricht jede der Geraden der Potenzgerade eines potentiellen Paars von Lösungskreisen. Um dies zu zeigen, betrachtete Gergonne Geraden durch entsprechende BerĂŒhrpunkte auf zwei der gegebenen Kreise, z. B. die Verbindungsgeraden A1A2 und B1B2. Nun sei X3 ein Ähnlichkeitszentrum fĂŒr die zwei Kreise C1 und C2; dann sind A1, A2 und B1, B2 Paare von antihomologen Punkten, und ihre Verbindungsgeraden schneiden sich in X3. Daraus folgt, dass die Produkte der AbstĂ€nde gleich sind:

X 3 A 1 ¯ ¯ ⋅ ⋅ X 3 A 2 ¯ ¯ = X 3 B 1 ¯ ¯ ⋅ ⋅ X 3 B 2 ¯ ¯ {\displaystyle {\overline {X_{3}A_{1}}}\cdot {\overline {X_{3}A_{2}}}={\overline {X_{3}B_{1}}}\cdot {\overline {X_{3}B_{2}}}}

Damit ist gezeigt, dass X3 auf der Potenzgerade der zwei Lösungskreise liegt. Ein entsprechendes Argument lĂ€sst sich auf die beiden anderen Paare von Kreisen anwenden, sodass die drei Ähnlichkeitszentren fĂŒr die drei gegebenen Kreise auf den Potenzgeraden der Paare von Lösungskreisen liegen mĂŒssen.

Zusammengefasst ist die gesuchte Gerade L1 durch zwei Punkte definiert: das radical center G der drei gegebenen Kreise und den Pol von einer der vier Verbindungsgeraden der Ähnlichkeitszentren bezĂŒglich C1. Bestimmung der entsprechenden Pole bezĂŒglich C2 und C3 ergibt die Geraden L2 und L3; so können alle sechs Punkte lokalisiert werden, aus denen ein Paar von Lösungskreisen bestimmt werden kann. Wiederholt man diese Prozedur fĂŒr die anderen drei Verbindungsgeraden von Ähnlichkeitszentren, so erhĂ€lt man weitere sechs Lösungskreise, insgesamt also acht Lösungen. Wenn jedoch eine Gerade Lk keinen Schnittpunkt mit dem Kreis Ck besitzt (fĂŒr dasselbe k), existiert kein Paar von Lösungskreisen fĂŒr diese Verbindungsgerade von Ähnlichkeitszentren.

SpezialfÀlle

Fallunterscheidung

| Nummer | KĂŒrzel | Gegeben | Zahl der Lösungen (im Allgemeinen) | Beispiel (gegebene Elemente schwarz; Lösung pink) | Anmerkungen |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | PPP | drei Punkte | 1 | | Der Lösungskreis ist im Allgemeinen der Umkreis des durch die Punkte festgelegten Dreiecks. Liegen die 3 Punkte auf einer Geraden, ist diese Gerade die (uneigentliche) Lösung, bzw. es gibt in diesem Falle keinen Kreis als Lösung. |
| 2 | GPP | eine Gerade, zwei Punkte | 2 | | Ist die Gerade, die durch die beiden Punkte geht, parallel zur gegebenen Gerade, so existiert nur 1 Lösung. |
| 3 | GGP | zwei Geraden, ein Punkt | 2 | | Die Verbindungslinie aus dem gegebenen Punkt und dem Schnittpunkt der beiden Geraden liegt in einem Fall innerhalb des Lösungskreises (siehe Bild), im anderen Falle außerhalb (der Lösungskreis wird dann i. d. R. deutlich grĂ¶ĂŸer). |
| 4 | GGG | drei Geraden | 4 | | der Inkreis und die 3 Ankreise des aus den 3 Geraden gebildeten Dreiecks |
| 5 | KPP | ein Kreis, zwei Punkte | 2 | | Der eine Lösungskreis liegt außerhalb des gegebenen Kreises (siehe Bild), der andere umschließt ihn. |
| 6 | KGP | ein Kreis, eine Gerade, ein Punkt | 4 | | |
| 7 | KKP | zwei Kreise, ein Punkt | 4 | | Die Lösungskreise umschließen entweder keinen (siehe Bild), den ersten, den zweiten oder beide Kreise |
| 8 | KGG | ein Kreis, zwei Geraden | 8 | | |
| 9 | KKG | zwei Kreise, eine Gerade | 8 | | |
| 10 | KKK | drei Kreise (das klassische Problem) | 8 | | |

Das Problem ist in allen FĂ€llen mit den klassischen Mitteln (Zirkel und Lineal) lösbar. Falls zwei der Kreise mindestens einen Punkt M gemein haben, kann man das Problem vereinfachen, indem man es durch eine Spiegelung an einem Kreis mit Mittelpunkt M auf den Fall zurĂŒckfĂŒhrt, dass zwei der Kreise in Geraden ausarten.

FĂŒr die vier FĂ€lle ohne gegebene Kreise können mit relativ einfachen Möglichkeiten Lösungen fĂŒr die Kreisradien angegeben werden:

Drei Punkte

FĂŒr drei Punkte gibt es eine Lösung. Wenn mindestens zwei Punkte aufeinander liegen, gibt es unendlich viele Lösungen.

Die drei Punkte bilden ein Dreieck mit den Seiten a, b, c. Der gesuchte Kreis ist der Umkreis dieses Dreiecks:

r = a b c 4 A = a b 2 h c = a 2 sin ⁥ ⁥ α α {\displaystyle r={\frac {abc}{4A}}={\frac {ab}{2h_{c}}}={\frac {a}{2\sin \alpha }}}

FĂŒr die Bestimmung des FlĂ€cheninhaltes A kann wieder der Satz des Heron verwendet werden.

Eine Gerade, zwei Punkte

FĂŒr zwei Punkte und eine Gerade gibt es zwei Lösungen, bei den unten genannten SpezialfĂ€llen nur eine, und fĂŒr zwei auf der Geraden liegende Punkte keine Lösung.

Die vorgegebenen Punkte seien mit P 1 {\displaystyle P_{1}} und P 2 {\displaystyle P_{2}} bezeichnet, die vorgegebene Gerade mit g {\displaystyle g} . Weiter sei S {\displaystyle S} der Schnittpunkt der Geraden ( P 1 P 2 ) {\displaystyle (P_{1}P_{2})} mit g {\displaystyle g} und α α < 90 ∘ ∘ {\displaystyle \alpha <90^{\circ }} der Schnittwinkel. Dann haben die BerĂŒhrpunkte der beiden gesuchten Kreise nach dem Sekantentangentensatz den Abstand t = S P 1 ÂŻ ÂŻ ⋅ ⋅ S P 2 ÂŻ ÂŻ {\displaystyle t={\sqrt {{\overline {SP_{1}}}\cdot {\overline {SP_{2}}}}}} von S {\displaystyle S} . Die Mittelpunkte können dann als Schnittpunkte der Mittelsenkrechten von P 1 P 2 {\displaystyle P_{1}P_{2}} mit den Senkrechten zu g {\displaystyle g} in den BerĂŒhrpunkten ermittelt werden.

Zwei Geraden, ein Punkt

Es gibt verschiedene FĂ€lle:

‱ Die Geraden sind parallel: Falls der Punkt außerhalb des von den Geraden begrenzten Bereiches liegt, gibt es keine Lösungen. Liegt er auf einer der Geraden, gibt es eine Lösung. Liegt er dazwischen, zwei Lösungen; der Kreisdurchmesser ist jeweils gleich dem Abstand der Geraden.
‱ Die Geraden sind nicht parallel:

‱ Ist der Punkt der Schnittpunkt der Geraden, gibt es keine Lösung, sofern man die Lösung r=0 (Sonderfall des Kreises) ignoriert.
‱ Liegt der Punkt P {\displaystyle P} auf einer der Geraden, g {\displaystyle g} , ist jedoch nicht der Schnittpunkt, gibt es zwei Lösungen; die Mittelpunkte der Kreise sind die Schnittpunkte der beiden Winkelhalbierenden mit der Senkrechten zu g {\displaystyle g} durch P {\displaystyle P} .
‱ Liegt der Punkt auf keiner der Geraden, gibt es zwei Lösungen; dies ist der generische Fall. Es seien P â€Č {\displaystyle P'} das Bild von P {\displaystyle P} unter der Spiegelung an der zugehörigen Winkelhalbierenden w {\displaystyle w} und S {\displaystyle S} der Schnittpunkt der Senkrechten zu w {\displaystyle w} durch P {\displaystyle P} und P â€Č {\displaystyle P'} mit einer der Geraden, g {\displaystyle g} . Damit ist die Darstellung nun symmetrisch zur Winkelhalbierenden. Der Abstand der BerĂŒhrpunkte B {\displaystyle B} (der beiden Kreise mit g {\displaystyle g} ) zu S {\displaystyle S} ergibt sich mit Hilfe der Beziehung des Sekanten-Tangenten-Satz, angewendet mit S {\displaystyle S} als Geraden-Zentrum zu B S ÂŻ ÂŻ = S P ÂŻ ÂŻ ⋅ ⋅ S P â€Č ÂŻ ÂŻ {\displaystyle {\overline {BS}}={\sqrt {{\overline {SP}}\cdot {\overline {SP'}}}}} . Aufgetragen nach beiden Seiten auf g {\displaystyle g} ergeben sich zunĂ€chst die BerĂŒhrpunkte B {\displaystyle B} . Die Mittelpunkte M {\displaystyle M} der Kreise ergeben sich durch die jeweiligen Schnittpunkte der Senkrechten zu g {\displaystyle g} durch B {\displaystyle B} mit der Winkelhalbierenden w {\displaystyle w} .

Drei Geraden

FĂŒr drei sich schneidende Geraden (nicht parallel oder ĂŒbereinander liegend) gibt es vier Lösungen. Sind zwei der Geraden parallel, gibt es nur zwei Lösungen, fĂŒr drei Parallelen gibt es keine Lösung und fĂŒr parallele Geraden mit Abstand 0 gibt es unendlich viele Lösungen.

Die drei Geraden bilden mit ihren Schnittpunkten ein Dreieck mit den Seiten a , b , c {\displaystyle a,b,c} . Deshalb kommen hier die Regeln fĂŒr den Inkreis und die Ankreise zur Anwendung:

r = 2 A a + b + c = A s = a cot ⁥ ⁥ ÎČ ÎČ 2 + cot ⁥ ⁥ Îł Îł 2 {\displaystyle r={\frac {2A}{a+b+c}}={\frac {A}{s}}={\frac {a}{\cot {\frac {\beta }{2}}+\cot {\frac {\gamma }{2}}}}}

mit den Innenwinkeln α α , ÎČ ÎČ , Îł Îł {\displaystyle \alpha ,\beta ,\gamma } , dem FlĂ€cheninhalt A {\displaystyle A} und dem halben Umfang s {\displaystyle s} :

s = a + b + c 2 {\displaystyle s={\frac {a+b+c}{2}}}

Um einen Ausdruck zu erhalten, der nur die SeitenlÀngen verwendet, kann der Satz des Heron benutzt werden:

A = s ( s − − a ) ( s − − b ) ( s − − c ) {\displaystyle A={\sqrt {s(s-a)(s-b)(s-c)}}}

Die entsprechenden Formeln fĂŒr die Ankreise lauten

r a = 2 A b + c − − a = A s − − a = a tan ⁥ ⁥ ÎČ ÎČ 2 + tan ⁥ ⁥ Îł Îł 2 {\displaystyle r_{a}={\frac {2A}{b+c-a}}={\frac {A}{s-a}}={\frac {a}{\tan {\frac {\beta }{2}}+\tan {\frac {\gamma }{2}}}}}

bzw. fĂŒr die anderen Ankreisen entsprechend.

Zahl der Lösungen

Das Problem, fĂŒr die verschiedenen Typen des Apollonios-Problems die Anzahl der Lösungen zu ermitteln, gehört zum Gebiet der enumerativen Geometrie.cite-ref-bruen-1983-1-3[1] Die allgemeine Zahl von Lösungen fĂŒr die zehn Problemvarianten ist in der Tabelle weiter oben angegeben. Es kommt jedoch vor, dass spezielle Anordnungen der gegebenen Elemente die Zahl der Lösungen Ă€ndern. Beispielsweise hat das Apollonische Problem keine Lösung, wenn einer der Kreise die beiden anderen trennt (Abbildung 12); um die beiden durchgezogen gezeichneten Kreise zu berĂŒhren, mĂŒsste ein Lösungskreis den gestrichelt dargestellten Kreis schneiden; das ist aber unmöglich, wenn der gestrichelte Kreis berĂŒhrt werden soll. Umgekehrt, wenn sich die drei gegebenen Kreise im selben Punkt berĂŒhren, dann ist jeder Kreis durch den gemeinsamen Punkt eine Lösung; solche Apollonios-Probleme haben unendlich viele Lösungen. Auch im Fall identischer gegebener Kreise gibt es im Allgemeinen unendlich viele Lösungen. Sind nur zwei Kreise identisch, so gibt es nur zwei verschiedene gegebene Kreise; die Mittelpunkte der Lösungskreise bilden eine Hyperbel, wie im Abschnitt Schnitt von Hyperbeln gezeigt wird.

Eine umfassende ZĂ€hlung der Lösungen fĂŒr alle möglichen Konfigurationen von drei gegebenen Kreisen, Punkten oder Geraden wurde zuerst von Muirhead im Jahre 1896 in Angriff genommen, auch wenn es frĂŒhere Arbeiten dazu von Stoll und Study gab. Die Untersuchung von Muirhead war jedoch unvollstĂ€ndig; sie wurde 1974 erweitert. Eine endgĂŒltige ZĂ€hlung mit 33 verschiedenen FĂ€llen wurde 1983 veröffentlicht.cite-ref-bruen-1983-1-4[1] Obwohl die Lösungen des Apollonischen Problems gewöhnlich paarweise auftreten (siehe Abschnitt Lösungspaare bezĂŒglich Inversion), ist in einigen FĂ€llen eine ungerade Zahl von Lösungen möglich, wie etwa bei der eindeutig bestimmten Lösung des Problems PPP, oder wenn einer der gegebenen Kreise oder alle drei selbst Lösungen sind. (Ein Beispiel dafĂŒr sind die Kreise im Satz von Descartes). Es gibt jedoch kein Apollonios-Problem mit genau sieben Lösungen.

Literatur

‱ H. S. M. Coxeter: The problem of Apollonius, American Mathematical Monthly, Band 75, 1968, S. 5–15
‱ Frauke Böttcher: Das "Apollonische BerĂŒhrproblem" – Eine historische Rekonstruktion zur Vermittlung geometrischer Methoden (PDF; 7,2 MB), UniversitĂ€t zu Köln, Mathematisch-Naturwissenschaftliche FakultĂ€t, Seminar fĂŒr Mathematik und ihre Didaktik (pdf).
‱ Dana Mackenzie: A tisket, a tasket, an Apollonian basket. In: American Scientist, Band 98, 2010, S. 10–14 (erhielt den Chauvenet-Preis 2015).
‱ David Girsch, Jason Ribando: Apollonios Problem: A Study of Solutions and Their Connections. In: American Journal of Undergraduate Research, Band 3, Nr. 1, 2004 (PDF).

Weblinks

Commons

: Apollonisches Problem

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Eric W. Weisstein: Apollonius Problem. In: MathWorld (englisch).
‱ Lösungen mit quadratischen Gleichungen

Einzelnachweise

cite-note-bruen-1983-11. ↑ A. Bruen, J.C. Fisher, J.B. Wilker: Apollonius by Inversion. In: Mathematics Magazine. 56, 1983, S. 97–103
cite-note-d-rrie-1965-22. ↑ H. Dörrie: The Tangency Problem of Apollonius. In: 100 Great Problems of Elementary Mathematics: Their History and Solutions. 1965, S. 154–160.
cite-note-coxeter-1968-33. ↑ Harold Scott MacDonald Coxeter: The Problem of Apollonius. In: The American Mathematical Monthly. Vol. 75, 1968, S. 5–15.